Antiverpeil Howto

2002er Version: http://www.nibbler.de/texts/antiverpeilhowto.html
2005er Version: http://sushee.geekheim.de/?page_id=404

Einleitung

Verpeilen und Konjunktivitis sind enge Freunde. “Müsste man mal.” “Sollte ich heute machen.” “Ich muss endlich xy erledigen.” “Ich habe verschlafen.” “Ich habs vergessen.” Wenn solche Sätze bestimmend für dein Leben sind, könnte es sein, dass du willkommen im engeren Kreis der Verpeiler bist. Auf der einen Seite entbehrt es nicht einem gewissen Humor, jemanden während der Diplomarbeit geradezu manisch die Wohnung putzen zu sehen – auf der anderen Seite bedeutet Verpeiler zu sein, immer unzufrieden mit sich zu sein und von anderen als unzuverlässig eingestuft zu werden. Es bedeutet, mit zunehmendem Alter immer mehr zu kapieren, welche Chance man nicht wahrgenommen hat – nicht, weil man nicht wollte, sondern weil man es schlicht nicht gebacken bekommen hat.

Es bedeutet, zu spannenden Projekten nicht mehr eingeladen zu werden, weil man als Verpeiler gilt. Manche verpeilen auch das Leben mit ihrer Freundin oder haben mehrere Tausend Währungseinheiten Steuerschulden, weil sie die 5,6 Stunden des Steuerpapiere sortierens nicht hinbekommen. Es gibt kleines Verpeilen wie sich auf den letzten Drücker an der Uni zurückzumelden, aber auch grosses Verpeilen, wie das Abi nicht zu schaffen oder so oft durch das Diplom zu fallen, bis man nicht mehr darf. Verpeilen bedeutet, sehr unzufrieden mit sich selbst zu sein und irgendwann den Wunsch zu haben, einfach nur tun zu können, was man sich vorgenommen hat. Produktiv sein heisst nicht im kapitalistischen Sinne total effizient das letzte bisschen Kraft aus sich heraus zu arbeiten – das ist ebenso problematisch wie gar nichts geregelt kriegen.

Ich rede hier von der zufrieden machendenden Produktivität wie das Lieblings Open Source Projekt zu programmieren, von dem man träumt, den Sprachkurs endlich zu machen, den man schon immer machen wollte, das Abi zu kriegen, weil man ansich schlau genug ist, die Diplomarbeit endlich abzuliefern, damit es endlich vorbei ist, den Job zu behalten, weil man endlich sein Zeug erledigt bekommt, keine Steuerprobleme zu haben, weil man die Papiere abliefert, eine halbwegs freundliche Wohnung zu haben, in der man sich wohlfühlt, wenn man nach Hause kommt, die Kühlschranktür zu öffnen und mehr als nur Tiefkühlpizza vorzufinden, sich mehr um seine Gesundheit zu kümmern, weil man einfach nicht mehr 20 ist, das Howto zu schreiben, was man schon lange im Kopf hat.. :) Es geht also darum:

Ich tue einfach das, was ich mir vorgenommen habe, zu tun.

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